Horst-Wessel-Feierstätte

(Ort nationalsozialistischer Machtdemonstration und Ideologisierung)

Namensgebungen spiegeln zugleich auch immer den Zeitgeist wider. So gab es während des Nationalsozialismus kaum eine Stadt,  in der nicht eine Straße, Parkanlage, Brücke oder ein Platz nach bzw. zu „Ehren“ Adolf Hitlers, Hermann Görings, Horst-Wessels oder Schlageters benannt wurden. Bewusst sollte eine Identifizierung im nationalsozialistischen Sinne erfolgen, Eigenschaften und Vorstellungen hervorgehoben werden.

In „aller Stille waren [im September 1937] Pläne“ zur Errichtung einer Feierstätte in Korbach „geschmiedet worden, […] dessen Bau für Korbach einmal einen besonderen Anziehungspunkt bilden“ sollte. „Ein Plan des Ortsgruppenleiters und des Ortspropagandaleiters sollte Wirklichkeit werden.“ Geplant war, die Feierstätte zum zehnjährigen Bestehen der Korbacher Ortsgruppe  der NSDAP (15. Mai. 1938) einzuweihen.[1]

 

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Freilichtbühne/ Schießhagen

Am Erntedankfest 1937  erfolgte der erste Spatenstich (1. Sonntag im Oktober). Darüber berichtete die Waldeckische Landeszeitung wie folgt:
„Ortsgruppenleiter Casselmann wies eingangs auf die Bedeutung dieser historischen Stätte zwischen den Stadtmauern hin. Hier solle nun in gemeinsamer Arbeit eine Stätte entstehen, an der Korbachs Bevölkerung zu ihren Feiern zusammenkommen. […] Dann wurde in feierlicher Weise durch den Ortsgruppenleiter und die Führer der [NS-] Gliederungen mit folgenden Sprüchen die ersten Spatenstiche getan:
Der Ortsgruppenleiter:
       Wir kämpften für Heimat, für Volk und für Land,
       Wir waren im Kampf Kameraden;
       Wir trugen die Fahne in eiserner Hand,
       Wir waren des Führers Soldaten.
       Wir taten in harter Zeit unsre Pflicht,
       Wir durften das neue Reich schauen.
       Wir wollen ab heut in gemeinsamer Schicht
Uns hier ein Denkmal erbauen.“

Geplant war die Namensgebung „Horst-Wessel-Feierstätte“.

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Der erste Spatenstich zur „Horst-Wessel-Feierstätte“ in Korbach, Erntedankfest 1937

Horst Wessel, Sohn eines Pfarrers, wurde am 9.10.1907 in Bielefeld geboren. Er begann zunächst ein Jura-Studium, das er allerdings nach vier Semestern abbrach. Danach arbeitete er u.a. als Taxifahrer. 1926 trat er der NSDAP und der SA bei. Drei Jahre später wurde er SA-Sturmführer in Berlin.
In diesem Jahr verfasste er ein Lied, das 1930 zum Parteilied der NSDAP avancierte und während des Nationalsozialismus im Anschluss an die Nationalhymne gesungen wurde: „Die Fahne hoch! Die Reihen fest geschlossen! SA marschiert mit ruhig festem Schritt! Kameraden, die Rotfront und Reaktion erschossen, marschier`n im Geist in unsern Reihen mit!“ Hemmungslos wurde Gewalt verherrlicht und Mord legitimiert.

Horst Wessel, überzeugter Nationalsozialist,  provozierte die politische Linke u. a. mit SA-Parademärschen in entsprechenden Arbeitervierteln. Wessel hatte Kontakte zu Göring und wurde von ihm gefördert.1930 wurde Horst Wessel angeschossen und erlag am 23.02.1930 in einem Berliner Krankenhaus seinen Verletzungen.

Joseph Goebbels, Reichsleiter für NS-Propaganda, machte daraus einen politischen Mord und bezeichnete Horst Wessel als Märtyrer und Helden der NSDAP. Ihm zu Ehren wurde im Korbacher Schießhagen eine Feierstätte errichtet. Der Bau wurde nach rund acht Monaten fertig gestellt. Die Einweihung der „Horst-Wessel-Feierstätte“ fand in einem feierlichen Akt am 29. Mai 1938 statt.
 

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Bau der Horst- Wessel- Feierstätte/ Freilichtbühne (Schießhagen) 1938

 

 

 

 

 

Die genauen Umstände seines Todes sind bisher ungeklärt. Ob wegen Mietstreitigkeiten, einer Prostituierten wegen oder als Racheakt für einen ermordeten Jungkommunisten von 17 Jahren, blieb bisher offen. Ebenso kann nicht ausgeschlossen werden, dass er von eigenen „Kameraden“ ermordet wurde, da sich Horst Wessel kurz vor seinem Tod von der SA distanziert haben soll. Verhaftet und verurteilt wurde der Kommunist Albrecht Höhler. Eine spätere Rekonstruktion wurde erschwert, weil Höhler 1933 von SA-Männern erschossen wurde.

[1]Nach Abschluss der Arbeiten wurde im Turm wurde eine Metallkassette (Pappkarton) mit einer Hakenkreuzbinde, einer Ausgabe der WLZ, der Einweihungsurkunde, einer Biographie Horst Wessels, ein Buch und das Programmheft „Das Frankenberger Würfelspiel“, das zur Weihe aufgeführt wurde, ein Buch von Ingeborg Wessel, „Mein Bruder Horst“, sowie das Ortsgruppenbuch der NSDAP. Im Anhang des Ortsgruppenbuch befindet sich eine Liste, mit mehr als 1000 Namen von Bürgern und Firmen, die an der Errichtung der Horst-Wessel-Feierstätte mitgewirkt haben, ein nicht unbeträchtlich hoher Anteil der männlichen Bevölkerung Korbachs. Unter Bürgermeister Bonhage wurde der Setin am Turm, der ehemals Reichsadler und Hakenkreuz trug entfernt, wobei die besagte Metallkassette zutage trat. Wichtige Hinweise kamen von Herrn …. Paul, Albert Pohlmann und Dr. Völcker-Janssen, allesamt vom 24.09.2009.

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