71.

Löwenstern, Bernhard I, (auch sen.), Handelsmann,

* 13.03.1827 in Meineringhausen,
+ 15.05.1910 in Korbach (S. v. Hesekiel (isr. Jechesqél) Löwenstern und Lea Samuel aus Maineringhausen).

oo 03.09.1856 in Berndorf mit
Johanne Löwenstern (aus Nr. 63)
* 24.03.1833 in Korbach
+ 22.11.1907 in Korbach

Kinder:

1. Lina * 19.07.1857 in Korbach, verzogen nach
Cuxhaven und ist später nach USA ausgewandert.

2. Rosalie (Rosalchen) * 25.11.1858 in Korbach
+ 1935

oo 17.05.1893 in Korbach mit Kaufmann
Anton Heinrich Kaltenbach aus Hamburg
(kath.) (siehe Nr. 22)

3. Hermann * 18.01.1860 in Korbach

4. Louis * 24.01.1861 in Korbach
+ 25.05.1886 in Korbach

5. Bertha * 17.05.1862 in Korbach
oo 1894 in Hamburg mit Hermann Alm
(ev.) (siehe Nr. 1a)

6. Olga * 18.08.1863 in Korbach
+ 7.03.1864 in Korbach

7. Sally * 13.05.1865 in Korbach
seit 1886 Hospital Kloster Haina

8. Hedwig * 08.09.1866 in Korbach
+ 04.03.1927 in Korbach

9. Ernst * 15.10.1867 in Korbach
+ 15.04.1869 in Korbach

10. Gustav * 08.07.1869 in Korbach
+ 26.02.1938 in Korbach
oo 20.03.1910 in Lüneburg mit
Hermine Horwitz (siehe Nr. 72)

11. Isaak * und + 11.11.1870 in Berich (Mühle)

12. Max * 25.01.1872 in Berich (Mühle)
+ 29.04.1883 in Korbach

13. Adolf * 28.11.1873 in Berich (Mühle)
+ 27.04.1940 in Korbach im Altersheim Wittgenstein

Hesekiel Löwenstern, Sohn von Jissachár = Bär, aus Meineringhausen, erhielt durch Bescheid der Fürst.
Waldeckischen Regierung in Arolsen vom 14.07.1853 – Nr. III 1228 - die Erlaubnis zum Übertritt in die israelische Gemeinde in Korbach. Hesekiel (= isr. Jechesqél) starb am 30. Kislev 5614 (= 31.12.1853) in Korbach.
In einem Artikel über den Korbacher Judenfriedhof in der „Waldeckischen Allgemeinen“ vom 12.10.1963 ist dieser Grabstein abgebildet:

Im Jahr 1858 erwarb sein Sohn Bernhard Löwenstern (Bürgerrecht seit 1855) das Haus Lengefelder Str. 1, das er 1871 wieder verkaufte. Von 1856 – 1858 gehörte ihm auch das Haus Rathausgasse 183, das 1885 abbrannte. Im Jahr 1883 kaufte er das Anwesen Kirchstr. 13, das bis 1940 in Familienbesitz blieb. Bernhard war Gesellschafter der am 01.05.1862 gegründeten Firma Salberg & Co; In den siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts betrieb er die Bericher Mühle. Seine Familie wurde deswegen auch noch später „Mühlen-Löwenstern“ genannt.

Das Haus Kirchstraße 13 erwarb 1883 der Kaufmann Bernhard Löwenstern, es blieb bis 1940 im Familienbesitz. Dann ging es in den Besitz des Juweliers Nelle über, der es kürzlich zu einem Wohn- und Geschäftshaus (Gasthaus “Zum tapferen Schneiderlein“, Anwaltspraxis und Wohnungen) umbaute.

72.

Löwenstern, Gustav, Tabakwarengroßhändler (aus Nr. 71),
* 08.07.1869 in Korbach,
+ 26.02.1838 in Korbach

oo 20.03.1910 in Lüneburg mit Hermine Horwitz
aus Lüneburg
* 23.11.1881 in Bünde,
wohnhaft in Korbach
Inhaftierungsort: 29. September 1941, Wrexen, Sammellager
Deportationsziel: ab Kassel - Halle
01. Juni 1942, Izbica / Sobibor
(T. v. Viehhändler Meier Horwitz und Karoline Meier aus Lüneburg).

Kinder:

1. Johanne Ilse * 07.11.1911 in Korbach, im November 1932 nach Berlin verzogen

2. Bernhard * 24.06.1915 in Korbach, im August
1937 nach Kassel abgemeldet
+ 1940 in Cholm
01.10.1940 Euthanasie in Brandenburg

Nach dem Tod des Vaters im Jahr 1910 übernahm der Sohn Gustav das Haus, in dem er seit 1901 mit seinem unverheiratet gebliebenen Bruder Adolf (siehe Nr. 71.13), einen Tabakwarengroßhandel betrieb. Adolf wohnte mit seiner Schwester Hedwig in der Prof.-Kümmell-Str. 9 zur Miete. Er wurde wegen seiner kleinen Statur scherzhaft „Metermännchen“ genannt. Durch massive Boykottmaßnahmen geriet der Großhandel bereits vor 1933 in wirtschaftliche Schwierigkeiten, die zum Ruin führten. Hermine Löwenstern meldete dann ein Einzelhandelsgeschäft mit Tabakwaren an, sie wurde im September 1941 nach Wrexen deportiert.

 

Familie Löwenstern/Horwitz, Kirchstr. 13
Von der Tochter Ilse Löwenstern war ursprünglich nur bekannt, dass sie im November 1932 nach Berlin verzogen ist. Im Jahr 1992 wurde ihr Elternhaus von dem jetzigen Eigentümer, Juwelier Nelle, zu einem Wohn- und Geschäftshaus (Gaststätte, Anwaltspraxis und Wohnungen) umgebaut.
In diesem Zusammenhang wurde bekannt, dass Frau Löwenstern in Darmstadt lebt. Sie ist die einzige Angehörige der jüdischen Gemeine Korbach, die noch in Deutschland lebt und das Archiv erhielt von ihr wertvolle Informationen über die frühere Korbacher Judengemeinde. In dem auf den folgenden Seiten abgedruckten Brief vom 27.08.1992 schildert sie ihren interessanten und aufschlußreichen Lebenslauf.

 

Brief vom 27.08.1992 von Ilse Löwenstern, Weidiweg 17, 6100 Darmstadt

Betr.: Dokumentation über früher in Korbach ansässige jüdische Familien.

Sehr geehrter Herr Wilke,

heute will ich Ihre mehrfachen Anfragen über das Schicksal von meiner Familie und meinem Lebensweg berücksichtigen.

Wie Ihnen bereits bekannt, wurde meine Mutter im Jahre 1941 aus ihrer Wohnung in der
Kirchstr. 13 von der Gestapo in ein sogenanntes „Judenhaus“ nach Wrexen deportiert und von dort im Jahre 1942 in ein Konzentrationslager in den Osten (über Kassel), von wo sie nicht zurückgekehrt ist.
Laut Mitteilung des Magistrats Korbach wurde das Haus Kirchstraße 13 zum „Judenhaus“ erklärt und dort viele jüdischen Menschen einquartiert.

Auch mein Bruder Bernhard hatte ein sehr schweres verfolgungsbedingtes Schicksal : Im November 1938 wurde er, wie noch viele andere jüdische Männer aus Korbach in ein K.Z. befördert. Nachdem er aus dem K.Z. Buchenwald, von dessen Aufenthalt er mir nur ungern einige grausige Dinge mitgeteilt hat, wieder entlassen wurde, wurde er nach Ausbruch des Krieges wiederum verhaftetet und ist in dem K. Z. in Cholm verstorben. Diese Nachricht hat meine Mutter leider noch zu ihren Lebzeiten erhalten.

Mein Vater war bereits am 26.02.1938 an einem Herzinfarkt verstorben. Sicherlich war sein Tot wesentlich von den ihn psychisch und wirtschaftlich hart treffenden Verfolgungsmaßnahmen verursacht oder zumindest verursacht oder zumindest mitverursacht worden, denn:

Die offene Handelsgesellschaft Gebrüder Löwenstern (Tabakwarengroßhandlung) unterlag schon mehrere Jahre vor der N. S. Machtergreifung nach den Wahlsiegen in Waldeck und vor allem zunächst im Upland einem schweren Boykott, weil die Kundschaft, die neben Einzelhändlern aus Gastwirten bestand unter scharfem Druck der N. S. Partei stand, und in Gastwirtschaften fanden Parteiversammlungen statt. Außerdem bemühte sich ein rabiater S. S. –Mann mit Hilfe von politischen Druckmitteln sich auf Kosten der jüdischen Firma in deren Branche selbständig zu machen. (Dieser hatte den Beinamen „Schreck von Waldeck“.)

Aufgrund der Prüfung von Tatsachen wurde von der Entschädigungsbehörde ein verfolgungsbedingter Berufsschaden meines Vaters anerkannt, und zwar seit 1931 verfolgungsbedingte berufliche Einschränkung und seit Dezember 1932 bis zu seinem Tode 1938 verfolgungsbedingte Verdrängung aus dem Beruf.

Der am 16.12.1932 von meinem zermürbten Vater angemeldete Konkurs gelangte im Jahre 1933 zu einem Zwangsvergleich, nachdem das Gericht eine Reihe von Außenständen eingezogen hatte, die die Firma aus politischen Gründen nicht in der Lage gewesen war selbst einzuziehen. Belege zu obigen Ausführungen füge ich in der Anlage bei.
Nicht zur Hand sind mir derzeit eidesstattliche Versicherungen von ehemaligen Kunden, die besagen, aus welchen Gründen sie nicht mehr in der Lage gewesen sein, von einer jüdischen Firma Waren weiterhin zu beziehen, mit der sie stets erfreuliche geschäftliche Erfahrungen gemacht hätten und ohne den Druck der politischen Verhältnisse treue Kunden dieser Firma geblieben wären.Unsere Nachbarin Hermine, geb. Tent, sagte zu mir: „Dein Vater war doch die personifizierte Güte.“
Der frühe verfolgungsbedingte Berufsschaden meines Vaters führte auch zu Ausbildungsschäden seiner Kinder, die ebenfalls von Gerichten als verfolgungsbedingt festgesetzt wurden.
Mein Bruder mußte aus wirtschaftlichen Gründen mit der Obersekundareife anstelle von Abitur das Gymnasium verlassen, kam stattdessen zu Verwandten in die kaufmännische Lehre, nach dessen Absolvierung er zuletzt bis zur Aufgabe der jüd. Firma wegen Auswanderung der Inhaberin Geschäftsführer einer Firma in Bad Hersfeld war.
Ich selbst hatte das Abitur am Oberlyzeum am Falkenplatz in Lübeck (Ein Bruder meiner Mutter hatte dort eine Wachskerzenfabrik und war Konsul der Dominikanischen Republik) abgelegt, da seinerzeit im Gymnasium in Korbach noch keine Mädchen aufgenommen wurden. Anschließend hatte ich ein Studium der Philologie mit den Fächern Germanistik und Pädagogik aufgenommen, das ich wegen der verfolgungsbedingten verschlechterten wirtschaftlichen Lange meines Vaters nicht fortsetzen konnte. Ich fand Gelegenheit, mich schnellstmöglich finanziell unabhängig zu machen und in eine berufliche Tätigkeit vorläufig – wie ich damals meinte – zu gelangen mittels der Teilnahme an einem sozialpädagogischen Sonderkurs für Abiturienten, in Berlin, der mir damals gerade noch zu einem Staatsexamen als Kindergärtnerin und Hortnerin verhalf. Eine Weiterbildung durch Studium war später aber nicht mehr möglich.
Ich hatte dann das Glück, in Berlin bei einer weltbekannten jüdischen Erziehungsinstitution, die Wert auf Vorbildung ihrer Erzieher legte, eine Anstellung als „wissenschaftliche Erzieherin“ zu bekommen. Meine Erzieher-Kollegen waren zumeist Lehrer, eine Lyzeallehrerin, (vor der Verfolgungszeit meist Erzieher mit akademischem Examen).
(Einer unserer damaligen 16-17jährigen Zöglinge, Klaus Goldschlag, wanderte nach Kanada aus, studierte dort und war vor einigen Jahren in Bonn tätig als Botschafter für Kanada.)

Seit der „Kristallnacht“ 1938 war es sehr schwierig geworden, in fast allen europäischen Ländern noch eine Aufenthaltsgenehmigung zu erhalten, da diese überschwemmt wurden mit Emigranten, die zu dieser Zeit lediglich RM 10,-- in ihr Auswanderungsland mitnehmen durften.

Die einzige Möglichkeit meinen Angehörigen noch helfen zu können, sah ich in meiner eigenen Auswanderung, um vom Ausland aus meine Mutter und meinen Bruder nachkommen zu lassen. Denn ich hatte im Jahre 1939 das Glück, von einer bekannten englischen christlichen Familie in Indien eine Anstellung als Hauslehrerin und Erzieherin zu erhalten, für welchen Posten ich von 80 Bewerberinnen ausgewählt worden war.
Die letzten Wochen vor meiner Auswanderung nach Indien am 01.04.1939 verbrachte ich bei meiner Mutter in Korbach. Von hier erfolgte meine Auswanderung. In Indien wurde ich sehr gut aufgenommen, wurde wie ein Familienmitglied behandelt und verbrachte die heiße Jahreszeit im guten Klima und herrlicher Landschaft in Kashmir mit der Familie.
Die jüdische Hilfsorganisation in Bombay bat ich um Hilfe, meine Mutter und meinen Bruder nach Indien herauszubringen und erhielt dann zu meiner übergroßen Freude eine Zusage im September 1939.

Um so größer war der unbeschreibliche Schock – der mir auch heute noch in den Gliedern sitzt – als 2 Tage danach der Krieg ausbrach und ich ahnte, daß dieser die Auswanderung meiner Angehörigen zunichte machen würde. Die ständigen Befürchtungen, was ihnen geschehen könnte, waren aus der Ferne viel schlimmer, als hätte ich aus der Nähe alles direkt miterleben können.

Nach dem Kriegsausbruch wurde ich von den Briten mit anderen Emigranten 1 Jahr lang interniert in einem Camp in M…….. zwecks Feststellung , ob evtl. Spione unter uns waren. Wir wurden ganz ausgezeichnet gut behandelt. Nach der Entlassung erhielt ich im guten Klima in den Himalayas eine Anstellung als Lehrerin an einer britischen Internatsschule für britische Kinder, wo allerdings auch ein gewisser Prozentsatz an indischen Kindern aufgenommen wurden, die an Intelligenz die europäischen Schüler meist überragten.

Trotz fehlendem Lehrerexamen erhielt ich eine solche Anstellung wahrscheinlich nicht allein wegen der sich aus meinen Zeugnissen ergebenden pädagogischen Methoden, die ich anwandte, sondern weil man mein deutschen Kindergärtnerinnenexamen für gleichartig mit dem britischen hielt, denn in Großbritannien konnte eine Ausbildung als Kindergarten-teacher erst nach bestandenem Lehrerexamen durchgeführt werden, da der Kindergarten an den Schulen dort einige Grundschulklassen umfaßt, in denen es auf besondere pädagogische Methoden ankommt.

In den Klassen gab ich Unterricht, aber auch in einigen der oberen Klassen, auch Musikunterricht. Zeitweilig erhielt ich den Auftrag, einen Fortbildungskursus für fortschrittliche pädagogische Methoden einer Gruppe von in Irland ausgebildeten Lehrerinnen zu erteilen.

Abgesehen von den fürchterlichen Sorgen um meine Angehörigen und jüdischen Freunde und Verwandten in Deutschland war ich in Indien sehr gerne. Auch habe ich sehr interessante Bekanntschaften mit Indern, Engländern, Holländern und aus anderen Ländern gemacht: Künstler, Journalisten, Musikern, die im Landes bekannte Persönlichkeiten waren.

Infolge von 2 schweren Tropenerkrankungen kam mir zum Bewusstsein, daß in einem Lande, in welchem es keine Sozialversicherung gab und in welchem ich als Deutsche an einer britischen Schule keinen Anspruch auf eine Pension wie meine britischen Kolleginnen hatte, meine Altersversorgung völlig ungesichert war.
Deshalb entschloß ich mich, Indien zu verlassen und kehrte nach vorübergehendem Aufenthalt in Israel nach Deutschland Anfang der 50iger Jahre zurück. Hier konnte ich beruflich nicht eingegliedert werden und nahm dann mein versäumtes Studium wieder auf, erhielt danach eine Anstellung als Gymnasiallehrerin an dem Landerziehungsheim Odenwaldschule, wo ich Englisch, Deutsch und Philosophie unterrichtete.
Mit meinen 81 Jahren bin ich schon seit vielen Jahren im Ruhestand.

Mein Bericht ist nunmehr sehr viel länger geworden als ich beabsichtigt hatte. Aber ohne Angabe von Details bleibt vieles in meinem Lebensgang unverständlich oder undurchsichtig.

Mit freundlichen Grüßen

I. Löwenstern


73. Löwenstern, Bernhard II. Kaufmann (aus Nr. 63),

* 07.03.1831 in Korbach,
+ 05.04.1910 in Korbach

oo 30.10.1860 in Burgdorf, mit Bertha Gottschalk
aus Burgdorf/Hannover,
* 28.09.1837 in Burgdorf,
+ 30.05.1890 in Korbach (T. v. Marcus Gottschalk und
Friederike Enoch

Kinder:

1. Anna * 19.09.1861 in Korbach
+ 08.11.1938 in Korbach

oo 10.05.1899 in Korbach mit Louis Lebach
(siehe Nr. 54)

2. Ottilie * 10.06.1863 in Korbach
+ 20.03.1913 in Marburg/Lahn

3. Oskar * 19.12.1865 in Korbach
+ 06.05.1928 in Korbach

oo 01.11.1902 in Eisenach mit Rosa Neuhaus
(siehe Nr. 74)

4. Max * 18.10.1867 in Korbach, für tot erklärt
(1897 nach Essen verzogen)
oo 04.07.1903 Jenny Neuhaus aus Eisenach
(siehe Nr. 75)

5. Ida * 25.09.1869 in Korbach
+ 17.03.1943 im KZ Theresienstadt
oo 06.02.1903 in Korbach mit Kaufmann und Gutsbesitzer Ferdinand Kaiser aus Vöhl
(siehe Nr. 21)


6. Emil * 30.04.1871 in Korbach
+ 30.09.1875 in Korbach

7. Willy * 02.09.1973 in Korbach, im Juni 1896 nach Dortmund verzogen
wohnhaft in Frankfurt a. Main
Deportationsziel: ab Frankfurt a. Main
22. November 1941, Kowno (Kauen), Fort IX
Todesdatum/-ort: 25. November 1941, Kowno (Kauen), Fort IX

8. Hugo * 05.07.1878 in Korbach

Bernhard Löwenstern verlegte das von seinem Vater Lazarus Löwenstern (siehe Nr. 63) auf dem heutigen Grundstück Vogt, Klosterstraße 9, betriebene Geschäft (Manufakturwaren, Kurzwaren usw.) in das von ihm erworbene Haus Stechbahn 16. Im September 1855 zeigte er in der Beilage zum Waldeckischen Regierungsblatt die Übernahme und Verlegung des Geschäfts an:

„Beylage zum Fürstlich Waldeckischen Regierung-Blatt 1855 Seite 511

Ich erlaube mir hiermit zur öffentlichen Kenntnis zu bringen, daß ich das väterliche Geschäft, welches in Manufactur-, Kurzwaaren- u. Producten-Handlung besteht und bisher im Wohnhause neben dem Kloster unter de Firma; „L. Löwenstern“ betrieben wurde, vom 1. Oktober d. J. an in das frühere Assessor Ebers-bach`sche Wohnhaus auf der Stechbahn u n t e r B e i b e h a l t u n g d e r f r ü h e r e n F i r m a L. L ö w e n –
s t e r n verlegen und daselbst fortsetzen werde. . Zugleich dient zur gefälligen Beachtung, daß der Verkauf von Ellenwaaren ec. zur Zeit des hiesigen Viehmarkts – 2. Oktober – in dem letztgenannten Hause geschehen wird; bis dahin werden die von mir in der Leipziger Messe eingekauften Waaren hier eintreffen und halten ich solche zur geneigten Abnahme bestens empfohlen. Corbach im September 1855.

Bernhard Löwenstern jun.“


74.

Löwenstern Oskar, Kaufmann (aus Nr. 73),
* 19.12.1865 in Korbach,
+ 06.05.1928 in Korbach.

oo am 01.11.1902 in Eisenach mit Rosa Neuhaus aus Eisenach,
* 10.11.1877 in Eisenach, 1940nach Essen verzogen
Schwester vom Else Oppenheim (geb. Neuhaus)
wohnhaft in Korbach bis 1940, ab 03.04.1940 in Essen
Deportationsziel: ab Düsseldorf
22. April 1942, Izbica, Ghetto (T. v. Aaron Neuhaus und Lydia Sander aus Eisenach).

Kinder:

1. Hans * 27.10.1903 in Korbach
oo mit Paula Goldwein aus Meimbressen, im Julie 1933
nach Palästina ausgewandert, (siehe Nr. 74a),

2. Kurt * 11.09.1912 in Korbach im September 1937
Palästina ausgewandert
nach (Kibbuz En Gev bei Tiberias/Israel)

Oskar Löwenstern übernahm nach dem Tode seines Vaters des Geschäft, das später seine Witwe als Handarbeitsgeschäft bis zur erzwungenen Aufgabe im Jahr 1937 weiterführte. Das Anwesen wurde im Jahr 1940 von dem Kaufmann Friedrich Sprenger erworben, der bis heute dort eine Papierwarenhandlung betreibt. Hans Löwenstern lebte mit Frau auf dem 1941 geborenen Sohn Elieser in Kfar Shmarjahu/Israel

74 a

Familie Löwenstern/Goldwein

Löwenstern, Hans, Ingenieur, (aus Nr. 74)
* 27.10.1903 in Korbach
+ 22.07.1973 in Israel

oo mit Paula Goldwein aus Meimbressen,
* 06.04.1903 in Meimbressen, + 25.05.1981 in Israel (T. v. Handelsmann Jacob Goldwein und Bertha Frankenberg aus Meimbressen)

Kind:

Elieser * 09.12.1941 in Petach Tikra/Israel (siehe Nr. 74b)

74 b

Löwenstern, Elieser, (aus Nr. 74a)
oo mit Naayana Kish,
* 11.05.194.. in Ramat-Gan, Israel
(T. v. Rafael und Lilian Kish)


Kinder:

1. Shelly * 20.10.1968 in Ramat-Gan, Israel

2. Nataly * 10.02.1972 in Ramat-Gan, Israel

3. Gur * 03.10.1974 in Ramat-Gan, Israel

Die Familie lebt in Kfar-Shmarjahu, Israel.

75.

Löwenstern, Max (aus Nr. 73), * 18.10.1867 in Korbach,
wohnhaft in Bochum
Deportationsziel: ab Dortmund
29. Juli 1942, Theresienstadt, Ghetto
23. September 1942, Treblinka, Vernichtungslager
Todesdatum/-ort: 1942 Treblinka

oo 04.07.1903 in Eisenach mit Jenny Neuhaus

* 11.07.1879 in Eisenach,
+ verschollen und für tot erklärt. (T. v. Aaron Neuhaus und Lydia Sander aus Eisenach).

Das Ehepaar lebte in Bochum.

76.

Löwenstern, Bär, Kaufmann, Ehefrau Amalie Weinberg.

Kinder:

1. Minna * 20.07.1883 in Korbach

2. Julius * 28.02.1886 in Korbach

3. Gustav Jacob * 02.09.1888 in Korbach

Nähere Angaben waren nicht zu ermitteln.

77.

Löwenstern, Elias, genannt Emil, Kaufmann
* 01.11.1871 in Affoldern,
wohnhaft in Korbach und Kassel
Deportationsziel: ab Kassel - Chemnitz
07. September 1942, Theresienstadt, Ghetto
29. September 1942, Treblinka, Vernichtungslager

Ehefrau Goldine Goldschmidt, * 24.10.1873 in Mühlbach, Schwalm-Eder-Kreis,
wohnhaft in Korbach
Deportationsziel: ab Kassel - Chemnitz
07. September 1942, Theresienstadt, Ghetto
29. September 1942, Treblinka, Vernichtungslager

Kinder:

1. Julius * 22.09.1900 in Affoldern

2. Max * 17.12.1901 in Affoldern

3. Rosa * 13.12.1902 in Affoldern
+ verschollen und für tot erklärt.

4. Klara * 20.03.1904 in Affoldern
+ verschollen und für tot erklärt

5. Frieda * 30.01.1907 in Affoldern
+ verschollen und für tot erklärt
oo 12.11.1932 in Affoldern mit Abraham
Albert Goldberg (siehe Nr. 12)

6. Aenne Selma * 04.10.1909 in Affoldern
oo 24.02.1937 in Kassel mit Kaufmann
Ludwig Dannenberg

Die Eheleute Löwenstern sind im April 1933 von Affoldern kommend in Korbach, Elfringhäuser Weg 4, zugezogen und betrieben dort eine Kohlenhandlung, die sie 1938 aufgeben mussten. Seit Juli 1938 wohnten sie in der Kirchstr. 13, und wurden von dort im September 1941 nach Wrexen deportiert. Seitdem sind sie verschollen.

78.

Löwenstern, Bär, Handelsmann/Viehhändler,
* 15.09.1819 in Basdorf,
+ 27.02.1887 in Korbach (T. v. Handelsmann Israel Löwenstern aus Basdorf).

Ehefrau Jettchen Löwenstern aus Höringhausen
* 08.01.1827 in Höringhausen,
+ 16.10.1906 in Korbach (T. v. Moses Löwenstern aus Höringhausen).

Kinder:

1. Emil * 18. oder 20.01.1852 in Basdorf
+ 01.01.1934 in Korbach

oo 27.06.1881 in Merxhausen jetzt Emstal
mit Julie (Julchen) Kander (siehe Nr. 79)

2. Johanna * 24.02.1854 in Basdorf
oo 16.12.1877 Eimelrod mit Jacob Straus

3. Isaak * 28.06.1856 in Basdorf, ausgewandert
nach Australien
+ 29.02.1936 in Canterbury
Victoria/Australien

1.oo 05.02.1885 Christchurch
Neuseeland mit Edith Angel

2. oo 23.09.1896 Abbotsford/Australien
mit Emily Holgate
4. Marcus * 12.05.1858 in Basdorf, ausgewandert
nach Australien, nannte sich dort Max
William Siebler

oo 25.12.1884 in Chapparton mit Sara Phillips

5. Menko * 11.10.1860 in Basdorf
+ 05.03.1932 in Korbach

oo mit Friederike (Rickchen) Löwenstern
(siehe Nr. 80)

6. Hermann * 1863 in Basdorf
+ 26.01.1886 in Korbach

7. Max * 29.11.1864 in Basdorf
ausgewandert nach USA

8. Augusta * 29.11.1864 in Basdorf

oo mit Alfred Siesal

9. Julius * 16.08.1870 in Basdorf
ausgewandert nach USA

Die Familie zog 1872 von Basdorf zu. Im Jahr 1875 wurde das Haus Prof.-Kümmell-Str. 4 erworben. Bär Löwenstern übte das Gewerbe des Viehhändlers aus.

79.

Löwestern, Emil Kaufmann/Textilwaren (aus Nr. 78),
* 18. oder 20. 01.1852 in Basdorf
+ 01.01.1934 in Korbach

oo 27.06.1881 in Merxhausen, jetzt Emstal
mit Julie (Julchen) Kander aus Riede,
* 16.09.1855 (oder 1856),
+ 10.01.1934 in Korbach
(T. v. Handelsmann Leiser Kander und Veilchen Gutheim aus Riede, Kreis Wolfhagen).

Kinder:

1. Julius * 19.04.1882 in Korbach
+ für tot erklärt – verschollen im KZ

oo 03.08.1906 in Wanne, jetzt Herne, mit
Rosalie Ferse (siehe Nr. 80a)

2. Adolf * 03.03.1884 in Korbach
+ 26.03.1965 in Kew, Australien

oo 15.02.1921 in Hamburg mit Ruth
Tietgen (siehe Nr. 81)

3. Burghardt * 27.03.1887 in Korbach
+ vermisst seit 14.03.1915 als Soldat in Frankreich

4. Rosalie * 11.06.1891 in Korbach
+ 17.10.1893 in Korbach

5. Leonhardt (Leo) * 06.08.1894 in Korbach
+ 25.06.1916 als Soldat in Frankreich gefallen

Emil Löwenstern erwarb 1891 das Haus Tränkestr. 8 , er war als Viehhändler tätig und hatte seit 1931 auch eine Textilhandlung.

80.

Löwenstern Menko, Handelsmann/Viehhändler (aus Nr. 78)
* 11.10.1860 in Basdorf,
+ 05.03.1932 in Korbach

oo 17.06. 1889 in Korbach mit Friederike
(Rickchen) Löwenstern (aus Nr. 64)
* 06.03.1874 in Korbach
+ 03.09.1917 in Korbach

Keine Kinder

Menko Löwenstern übernahm 1886 das Haus Prof.-Kümmell-Str. 4 vom Vater Bär Löwenstern und führte auch dessen Viehhandel weiter.

80 a

Löwenstern Julius, Kaufmann (aus Nr. 79) * 19.08.1882 in Korbach.

wohnhaft in Wanne - Eickel
Inhaftierungsort: bis 16. Dezember 1938, Sachsenhausen, Konzentrationslager
Deportationsziel: 1942, unbekannter Deportationsort

oo 03.08.1906 in Wanne, jetzt Herne mit Rosalia Ferse,
* 28.12.1879 in Oberlistingen, Krs. Wolfhagen ( T. v. Kaufmann Isaak Ferse und Johanne Kander, Wanne, jetzt Herne).
Todesdatum/-ort: 1942 Deportation nach ? Todesdatum und Ort unbekannt

Kind:

Iwan Heinz * 02.01.1908 in Wanne, jetzt Herne
wohnhaft in Herne und Korbach
Deportationsziel: ab Prag
03. November 1941, Litzmannstadt (Lodz), Ghetto
Todesdatum/-ort: 06. Juli 1943, Litzmannstadt (Lodz), Ghetto

Julius Löwenstern war Kaufmann in Wanne-Eickel. Ehrenamtlich war er lange Jahre Repräsentant der jüdischen Gemeinde Wanne-Eickel. Die Familie wurde im Jahr 1942 deportiert (vermutlich nach Theresienstadt oder Lublin) und ist verschollen, die Todeserklärung aller Familienangehörigen erfolgte im Jahr 1952 durch das Amtsgericht Gelsenkirchen.

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