Adolf-Hitler-Platz

(Umbenennung von  Straßen und Plätzen)

 

Als am 30. Januar 1933 Adolf Hitler zum Reichskanzler ernannt wurde, schien der Jubel in Waldeck bei vielen grenzenlos: Freudentaumel, Fackelumzüge, Hakenkreuzfahnen, tausende Menschen säumten die Straßen.

Korbach-1933

Korbach, Berndorfertorplatz/Adolf-Hitler-Platz, vermutlich 1933

Mit der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler änderte sich in Deutschland nicht nur die Regierung. Deutschland verabschiedete sich spätestens mit diesem Datum für mehr als zwölf Jahre von der Demokratie.

Dabei hätten sich die Deutschen spätestens 1925 in Hitlers „Mein Kampf“ über Pläne des „Führers“ informieren können: über seinen Antiparlamentarismus, Antisemitismus, Rassismus, Sozialdar-winismus, Führergedanken oder seine „Lebensraumpolitik“, die unweigerlich Krieg und Gewalt bedeutete. Hitler drückte unmissverständlich aus, was er als „Führer“ der Nationalsozialisten beabsichtigen würde.

Einen Ausdruck politischen Wandels stellen die zahlreichen Änderungen der Straßennamen und Umbenennungen von Parkanlagen und sonstiger Orte nach NS-Größen dar.

Nur wenige Wochen nach der Machtübernahme  beabsichtigte die Ortsgruppe der NSDAP-Korbach die Umbenennung des Berndorfertorplatz, wie aus dem entsprechenden Ortsgruppenbuch hervorgeht:

Am 28. März [1933] wurden die neugewählten Stadtverordneten eingeführt. Zum ersten Mal sah man die Mehrheit der Abgeordneten im Ehrenkleid der nationalsozialistischen Bewegung. Der Ortsgruppenleiter Pg. Casselmann wurde mit allen Stimmen, außer denen der SPD zum Stadtverordnetenvorsteher gewählt. Seine einführende Ansprache gipfelte in dem Vorschlag, […] den Berndorfertorplatz in Adolf-Hitler-Platz umzubenennen.

Bereits am 20. April 1933 - termingerecht zu Hitlers Geburtstag  - wurden erste Straßenumbenennungen durch Korbachs Bürgermeister Dr. Zimmermann verfügt und das neue Schild des „Adolf-Hitler-Platzes“ enthüllt.

Der Adolf-Hitler-Platz avancierte zum wichtigen Veranstaltungsplatz und Ziel Korbacher NS-Formationen. Imposante Propagandafeldzüge wurden inszeniert.

Der Ideologisierung, Emotionalisierung und Politisierung der Bevölkerung dienten unzählige Aufmärsche, Gedenktage, Feierstunden, Fackelzüge oder das gemeinschaftliche Hören von Rundfunkübertragungen.

Die Durchdringung des öffentlichen wie privaten Lebens durch den Nationalsozialismus sollte allgegenwärtig sein. Eine wichtige Funktion wurde öffentlichen Plätzen bei der Verbreitung weltanschaulicher Ideen zugeschrieben, da nationalsozialistisches Gedankengut einer breiten Masse eingehämmert werden sollte.

Auf dem Korbacher Adolf-Hitler-Platz bezogen Nationalsozialisten eindeutig Stellung gegen demokratische Parteien und stellten der parlamentarischen Demokratie ein diktatorisches System entgegen.

Treuekundgebungen für Hitler, Feuerreden, Gedenkveranstaltungen, Gesangsvorträge der Hitlerjugend, Rundfunkübertragungen und schneidige Märsche erklangen auf dem Adolf-Hitler-Platz.

Damit die Reden Hitlers und die seiner Paladine auch für jeden Korbacher und jede Korbacherin hörbar waren, wurde ein Großlautsprecher angebracht. Aufrufe, offizielle Anweisungen oder öffentliche Beleidigungen und Drohungen folgten. Ein Propagandastakkato prasselte auf die Korbacher nieder. Das hatte System.

Wahlkundgebung-1936

Wahlkundgebung auf dem Adolf-Hitler-Platz, März 1936

Anlässlich der Volksabstimmung über die Zusammenlegung der Ämter des Reichspräsidenten und Reichskanzlers vom 19. August 1934 entblödeten sich antisemitische Aktivisten keineswegs, öffentlich Korbacher Juden zu brandmarken.

„Mitten auf dem Adolf Hitler Platz hatte die Ortsgruppe einen Großlautsprecher aufstellen lassen, durch den die Ergebnisse laufend bekanntgegeben wurden. Um die Mittagszeit trafen die ersten Nachrichten ein. Verschiedene Orte des Ortsgruppenbereichs hatten bereits 100%ig gewählt [...] Der Lautsprecher war den ganzen Tag über belagert. Eine Viertelstunde vor Wahlschluß wurden die Wahlfaulen noch einmal durch Lautsprecher zur Wahl gerufen. Zu 80 % waren es Juden, deren Namen über der Stadt erklangen, und jeder Name wurde durch eine Lachsalve begleitet. Die Wahlbeteiligung in Korbach lag bei 98,3%, 99,2 stimmten mit Ja, - 4715 Volksgenossen hatten sich für den Führer entschieden, 28 stimmten mit nein.“

Bereits am 17. August 1934 sprach Hitler - für alle „Volksgenossen“ verbindlich - über die deutschen Sender. Wie so viele wurde auch diese Rede auf dem Adolf-Hitler-Platz übertragen. Einer Anordnung der Reichsleitung zufolge hatte die Bevölkerung die Ansprache des „Führers“ nicht zu Hause, sondern in einmütiger Geschlossenheit auf dem Adolf-Hitler-Platz anzuhören, auch jene, welche im Besitz eines Volksempfängers waren.

Am 15. März 1936 marschierte u.a. die gesamte NS-Führerschaft der Kreise Eisenberg, Twiste und Eder zum Adolf-Hitler-Platz, „wo inzwischen ein Großteil der Korbacher Bevölkerung Aufstellung genommen hatte.“ Und weiter im NSDAP-Ortsgruppenbuch: „Und da sprach Pg. [Parteigenosse] Gerland, sprach vom Führer und seinen Taten, und das Volk jubelte.“ 1936 schienen alle erreicht.

Die Propagandawelle rollte über das Land. Massenveranstaltungen sollten die „Größe der neuen nationalen Bewegung“ vermitteln und die Bevölkerung im Sinne des Nationalsozialismus vereinnahmen.

In der Korbacher Bevölkerung verfehlten illuminierte Großveranstaltungen, mit Fackeln und Pylonen in magisches Licht getaucht, hohle Versprechungen und nationalsozialistischer Budenzauber nicht ihre Wirkung.

Tag-des-Großdeutschen-Reich

Tag des Großdeutschen Reiches, 1938

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